Welt der Technik

Marina Michailowna Raskowa

covercity Igor AdolphDie sowjetische Pilotin Marina Michailowna Raskowa kam am 28. März 1912 in Moskau als Tochter eines Musikers zur Welt.
Bevor sie ab 1929 in einer Chemiefabrik arbeitete, begann sie am Moskauer Konservatorium ein Klavierstudium. Dies lag ihr jedoch nicht und deshalb brach sie ab. In den Jahren von 1932 bis 1934 durchlief Marina eine Ausbildung zum Navigator. Das Fernstudium fand am Institut der Zivilflotte statt. In ihrer Freizeit ließ sich Marina Raskowa im hiesigen Aeroklub zu einer Pilotin ausbilden.

Ihren ersten Fernflug bestritt sie im August 1935 mit einem Sportflugzeug von Jakowlew. Zusammen mit weiteren fünf Pilotinnen flog sie unter der Leitung von Walentina Stojanowskaja und Agnessa Kadazkaja 650 Kilometer von Leningrad nach Moskau.
Zwei Jahre später erreichte sie mit ihrer Flugpartnerin Walentina Grisodubowa als Pilotin ihren ersten Frauenweltrekord. Beide bewältigten einen Nonstop-Flug von 1.443 Kilometern.
Es folgte ein weiterer Flug am zweiten Juli 1938. Mit Wera Lomako und Polina Ossipenko an ihrer Seite gelang Marina Raskowa mit einem Flugboot eine Strecke ohne Zwischenlandung von Sewastopol nach Archangelsk.


covercity Igor AdolphVom 24. auf den 25. September des gleichen Jahres erreichte sie mit Polina Ossipenko und Walentina Grisodubowa mit einer ANT-37 "Rodina" einen weiteren Weltrekord. In 26:29 Stunden bestritten sie eine Entfernung von 5.908,610 Kilometern - von Moskau in das Ochotskische Meer.
Unglücklicherweise ging kurz vor der Landung der Treibstoff aus. Auf Anweisung ihrer Kommandantin musste sich Marina Raskowa kurz vor der Landung mit ihrem Fallschirm in die Tiefe stürzen.
Sie landeten in der Taiga. Ihr Flugzeug ging in einem Sumpfgebiet nieder. Zehn lange Tage schlugen sie sich zu Fuß durch die Wildnis.
Obwohl relativ zeitnah zu ihrem Absturz eine Suchaktion eingeleitet wurde, dauerte es bis zum dritten Oktober an, bis die Besatzung der "Rodina" mit ihrer Maschine von zwei Piloten gefunden wurde.
Am zweiten November des gleichen Jahres wurde den drei Fliegerinnen für diesen Flug als erste Frauen der Geschichte in der Sowjetunion der Titel "Helden der Sowjetunion" überreicht.
Im Jahr 1940 trat Marina Raskowa der Kommunistischen Partei der Sowjetunion - kurz KPdSU - bei.

Мари́на Миха́йловна Раско́ва

covercityNachdem der Krieg ausgebrochen war, wollte Marina Raskowa der Luftstreitkräfte ihren Beitritt erklären. Dort wurde sie jedoch nicht angenommen.
Alexei Schachurin - Minister der Luftfahrtindustrie - sprach daraufhin bei Josef Stalin vor und legte ein gutes Wort für die Pilotin ein. Die junge Fliegerin - inzwischen zum Major aufgestiegen - erhielt schließlich doch die Genehmigung, um bei dem Fliegerregiment zu dienen. Dieses bestand nur aus Frauen und zusammen mit sechs weiteren Offizierinnen arbeitete sie die Aufstellung der Regimenter aus. Einige Verbände wurden gegründet, aufgestellt und ausgerüstet.
1942 übernahm sie die Leitung des Bomberregiments. Drei Einheiten, gänzlich bestehend aus Frauen, kämpften unermüdlich bis zum Kriegsende gegen die Truppen der Deutschen.
Im Juni des darauf folgenden Jahres wurde den beiden Bombereinheiten der Titel des Garderegiments überreicht.
Marina Raskowa erlebte dies leider nicht mehr, da sie am 28. Dezember 1942 bei einem Landeanflug abstürzte. Wenige Tage später erlag sie ihren Verletzungen und verstarb im Alter von nur dreißig Jahren.

An der Moskauer Kremlmauer wurde ihre Urne beigesetzt. Marina Raskowa war zweifache Trägerin des Leninordens. Zudem wurde ihr posthum der Orden "Großer Vaterländischer Krieg erster Klasse" verliehen.
Ihr Buch "Fliegerinnen" erschien 1949 im Leipziger Paul List Verlag. Darin gab sie ihre Eindrücke vom Rekordflug September 1938 wieder.
Im Jahr 1976 folgte dann in russischer Sprache das Werk "Aufzeichnungen eines Navigationsoffiziers".