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Mumbai - President's Fleet Review

covercity Igor AdolphAuch wenn es eine eigenständige Marine des indischen Staates erst seit der Unabhängigkeit vom britischen Empire 1947 gibt, so ist die Geschichte der indischen Seefahrt schon bedeutend älter. Altindische Schriften verweisen auf erste Ausleger-Boote die von den ersten Völkern des Subkontinents genutzt wurden. Die erste wirklich organisierte Seefahrt, die schriftlich dokumentiert wurde, ist jene des Maurya-Reiches aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Auch in den folgenden Jahrhunderten unterhielten viele der Königreiche auf dem Subkontinent eigene Flotten, die vor allem dazu dienten einen regen Handelsaustausch an der Küste und mit anderen Reichen zu unterhalten.

Mit der Ankunft und dem Ausbreiten der britischen Ostindien-Kompanie zu Beginn des 17. Jahrhunderts veränderte sich die Situation auf dem Subkontinent entscheidend. Bereits 1612 gründete die Kompanie eine eigene Marine, um ihre Handelsschiffe zu schützen. Aus dieser wurde knapp zweihundert Jahre später, als Indien im englischen Empire aufging, die indische Marine der Königin Viktoria - "Her Majesty's Indian Navy". In der indischen Marine arbeiteten einheimische Seeleute unter dem Kommando britischer Offiziere. Es sollte bis ins Jahr 1928 dauern, ehe der erste indische Seefahrer zum Leutnant befördert wurde.

Die indische Marine war sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg aktiv, erfüllten aber hauptsächlich Aufgaben zur Unterstützung der alliierten Truppen, z.B. durch Truppentransporte oder das Räumen von Minen. Einzige Ausnahme stellte die Invasion Siziliens am Ende des Zweiten Weltkriegs dar, in die zwei Kriegsschiffe der indischen Marine aktiv involviert war.

Nach dem Ende des Krieges sollte die indische Marine in großem Umfang demobilisiert werden, was 1946 zum Aufstand der indischen Seeleute führte, der sich schnell über ganz Indien ausbreitete und als Teil des allgemeinen indischen Strebens nach Unabhängigkeit verstanden werden kann.

Nach der Unabhängigkeit Indiens am 15. August 1947 wurden die verbleibenden Schiffe und Materialien der königlich-britischen Marine unter den beiden neu entstandenen Staaten Indien und Pakistan aufgeteilt. Nachdem Indien 1950 zur Republik wurde, ließ man in der Bezeichnung der Marine das "Königlich" wegfallen. Seitdem lautet die offizielle Bezeichnung der indischen Marine "Indian Navy".

Seit der Unabhängigkeit ist die indische Marine vor allem in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Pakistan aktiv gewesen. So spielte sie besonders im indo-pakistanischen Krieg 1971 eine entscheidende Rolle bei Angriffen auf und Blockaden von pakistanischen Küstenstädten. In diesem Konflikt war außerdem der erste indische Flugzeugträger im Einsatz, die "IMS Vikrant".

Seit dem späten 20. Jahrhundert ist die indische Marine stetig modernisiert worden. Heute ist sie vor allem mit der Sicherung der indischen Hoheitsgewässer und der Küstenregionen beauftragt, nimmt aber auch verstärkt an internationalen Marinemanövern, wie der Operation "Enduring Freedom" oder dem Kampf gegen somalische Piraten teil.

Seit der Gründung der indischen Republik kann jeder Präsident, da er zugleich Oberbefehlshaber der Marine ist, einmal in seiner Amtszeit das Recht, eine vollständige Inspektion der Seestreitkräfte durchführen. Die erste dieser "President's Fleet Reviews" fand 1953 unter Präsident Rajendra Prasad statt. Allerdings haben seitdem nicht alle Präsidenten das Recht wahrgenommen eine Flotteninspektion abzuhalten, sodass bis zum heutigen Zeitpunkt zehn "President's Fleet Reviews" abgehalten wurden.

Die letzte dieser Inspektionen, die wohl auch als eine Reaktion auf die Bombenanschläge in Mumbai vom 13. Juli desselben Jahres verstanden werden können, fand am 20. Dezember 2011 unter der Leitung der amtierenden Präsidentin Pratibha Patil statt. Anlässlich dieser "President's Fleet Review" in Mumbai, hat die indische Post nun einen Briefmarken-Sondersatz mit vier unterschiedlichen Motiven herausgegeben. Diese Marken im Wert von je 5 Rupien, erscheinen jeweils in einer Kombination aus vier gleichen Marken.

Die unterschiedlichen Motive zeigen ein U-Boot der "Sindhughosh"-Klasse, einen der neuen MiG 29k Kampfjets, eine neue Stealth-Fregatte der "Shivalik"-Klasse sowie die präsidiale Yacht und dokumentieren dadurch eindrucksvoll sowohl die Modernität als auch die Tradition der indischen Marine.