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Made in Germany

Made in Germany (2014) Konsumenten ebenso wie Hersteller vertrauen in Deutschland auf die Kennzeichnung "Made in Germany" bei ihren Produkten. Dabei kann dieser Begriff auf eine lange Tradition zurück blicken und ist rechtlich gar nicht so eindeutig definiert, wie manche immer glauben. Nun plant das EU-Parlament wieder einmal eine Überarbeitung und strengere Eingrenzung der Nutzbarkeit dieses Begriffes. Widerstände, die derzeit herrschende Regelung auszuhebeln, regt sich dazu naturgemäß in der heimischen Wirtschaft und vor allem in der deutschen Industrie.

Geschichte von "Made in Germany" ist fast 150 Jahre alt

Eigentlich geht die Definition des Begriffes "Made in Germany" auf die Weltausstellung im Jahre 1876 in der US-amerikanischen Stadt Philadelphia zurück. Denn dort wurden viele Produkte deutscher Unternehmen etwas abfällig als "billig und schlecht" eingestuft. Der Ehrgeiz war gepackt und die Wirtschaftstreibenden in Deutschland wollten alles unternehmen, um die Qualität und den Ruf deutscher Produkte zu steigern. Dies gelang auch, vor allem durch die Kennzeichnung "Made in Germany", konnte die deutsche Exportquote deutlich gesteigert werden. Dies wurde auch durch niedrige Löhne und günstige Produktionsbedingungen hierzulande entsprechend unterstützt. Das britische Empire sah sich nach einigen Jahren von dieser anscheinend angesagten Wirtschaftsmacht Deutschland zunehmend bedroht und drängte darauf, dass Produkte künftig nur mehr mit einer "genauen Angabe des Herkunftslandes" exportiert werden durften. 1887 wurde ein entsprechendes Gesetz in England erlassen, woraufhin alle deutschen Produkte mit der Kennzeichnung "Made in Germany" versehen sein mussten. Die Briten gingen davon aus, dass schon aus reinem Patriotismus die inländischen Kunden ausländische Konkurrenten boykottieren würden. Doch die Rechnung ging nicht auf, denn die eigentlich als Brandmarke gedachte Kennzeichnung etablierte sich schnell als Gütesiegel.

Herkunftsbezeichnung ist ein ungeregelter Begriff

Auch heute noch finden sich auf vielen Produkten der Begriff "Made in Germany", der meist als Herkunftsbezeichnung verwendet wird. In Deutschland gibt es keine definitive Regelung, wann und wofür dieser eingesetzt werden darf. Umgekehrt gibt es aber auch keine Verpflichtung, deutscher Händler ihre Produkte damit auszuzeichnen. Eine Kennzeichnung als Ware "Made in Germany" erfolgt komplett auf eigene Verantwortung des Händlers, der seinem Unternehmen und seinen Waren diesen Vermerk quasi selbst verleihen kann. Es gibt in Deutschland auch keine Institution, die die Richtigkeit des Siegels "Made in Germany" überprüft. Trotz dieser Tatsachen, grenzen deutsche Gerichtsurteile den Begriff ganz eindeutig ab. So etwa sah 1974 der Bundesgerichtshof in einem Urteil keine Möglichkeit der einheitlichen Verwendung von "Made in Germany", der den beiden damaligen deutschen Staaten gerecht werden könnte. Damit kam die Bezeichnung "Made in West Germany" bzw. "Made in GDR" auf. 1995 wiederum entschied das Oberlandesgericht Stuttgart, dass eine Ware nicht mit dem Siegel "Made in Germany" versehen sein darf, wenn der größte Teil der Ware nicht aus deutscher Fertigung kommt oder hauptsächlicher Bestandteil nicht deutsche Rohstoffe sind. Genau an dieser Angabe scheiden sich die Geister der deutschen Industrie. Denn während eine Tasche, die eigentlich aus Fernost stammt und hierzulande mit einem Knopf versehen wird, durchaus als "Made in Germany" bezeichnet werden kann, wäre das in Zukunft und laut des genannten Gerichtsurteiles nicht mehr möglich.

Neue Regelung seitens EU-Parlament angedacht

Während also hierzulande die Verwendung des Begriffes immer mehr dahingehend ausgerichtet wird, dass das Produkt auch das sein oder beinhalten muss, was drauf steht, denkt das EU-Parlament neuerdings wieder einmal über eine Änderung der Herkunftsbezeichnung nach. Diese stimmten erst kürzlich darüber ab, dass die Verbraucher beim Kauf oder der Verwendung eines Produktes auch ganz klar erkennen können sollen, aus welchem Land ein Produkt stammt. Auch wenn die deutsche Industrie argumentiert, dass heutzutage die meisten Waren in zwei oder drei oder sogar noch mehr Ländern gefertigt werden und eine eindeutige Herkunftsbezeichnung damit erschwert werde, will das Parlament hier strengere Regeln. Stammt nämlich ein Produkt aus unterschiedlichen Ländern, so soll der Zoll-Kodex zur Bestimmung des Herkunftslandes ausschlaggebend sein. Damit ist davon auszugehen, dass in Zukunft das Land, in dem der letzte wesentliche Schritt zur Fertigstellung erfolgte, auch in der Herkunftsbezeichnung auftaucht. Wird ein Produkt in mehreren EU-Ländern hergestellt, so soll es das Label "Made in EU" geben. Klar ist, dass der Verbraucher ein Recht darauf hat, zu wissen, wo ein Produkt herkommt bzw. wo es produziert wurde. Setzt sich die Idee durch, dass die Kennzeichnung als Herstellerland davon abhängt, könnte es in Zukunft so manches Produkt deutscher Herstellung geben, die dann das Etikett "Made in China" oder ähnliches tragen.

 

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